Teil 3: Sechs Wochen, immer wieder sechs Wochen...
Made for the Stands – die Geschichte hinter Casualline · Teil 3
Die Techpacks standen, die Stoffe waren ausgewählt. Kurz darauf trafen die ersten Muster bei unserem Partner ein und wir fuhren wieder hin. Fitting-Termin nennt sich das: Man zieht die Teile an und schaut, ob der Schnitt wirklich so sitzt, wie man ihn sich vorgestellt hat. Eine Logo-Position wollten wir noch verschoben haben, dazu ein paar optische Kleinigkeiten. Danach gaben wir die nächste Runde in Auftrag.
Und genau hier lag unser Denkfehler, oder vielleicht auch mangelnder Informationsfluss. Wir gingen davon aus, dass jetzt die PPS-Muster kommen. Pre-Production Samples, also die Teile, die exakt so aussehen wie die spätere Ware und mit unserer Freigabe die Produktion auslösen. Was tatsächlich ankam, waren wieder ganz normale Muster. Ohne gelabelte Knöpfe am Polo, ohne gebrandete Zipper. Also ohne die Details, wegen denen wir den ganzen Aufwand überhaupt betreiben.
Die echten PPS-Muster brauchten nochmal sechs Wochen. Damit war die geplante Shop-Eröffnung im Dezember 2025 vom Tisch und wir verschoben auf März 2026.
Im Januar trudelten sie dann endlich ein. Und wieder stimmte etwas nicht: Auf den Ärmeln saßen Woven-Patches, aber nicht die, die wir bestellt hatten.
Also ab in den Zoom-Call. Wir sind das Patch-Design nochmal durchgegangen und haben es endgültig festgezurrt. Bei der Gelegenheit haben wir auch den Schnitt des Zip-Hoodies angepasst, der uns noch nicht gefiel, und ihn fast exakt an den Crew-Neck Zipper angeglichen. Für uns war das Kleinkram, den man am Bildschirm klärt, ohne dass eine komplette Musterrunde von vorne losgeht.
Zwei Wochen später kam die ernüchternde Nachricht: Es müssen doch neue PPS-Muster her. Und weil Feiertage dazwischenlagen und noch das eine oder andere vorhersehbare Ereignis, würde das jetzt sechs bis acht Wochen dauern. Und so wurde aus März dann Juni 2026.
Spätestens da haben wir angefangen, vieles infrage zu stellen und der Kopf begann wieder zu rattern, viele graue Tage lagen da vor uns. Hatten wir uns vielleicht beim Partner vertan? Lag es an unserer Vorgehensweise? Vielleicht hatten wir schlampig kommuniziert und unsere Erwartungen nie klar genug formuliert. Vielleicht war es auch einfach ein ganz gewöhnliches Missverständnis zwischen Sender und Empfänger, wie es überall vorkommt. Und dann die Frage, ob unsere Erwartungen überhaupt realistisch waren. Ob es einfach dazugehört, dass so ein Prozess Zeit frisst – ganz egal, wie viel Geld man investiert.
An dem Punkt ist bei uns langsam der Verstand gekippt. Eine komplett schwarze Basic-Kollektion, fertig irgendwann im Frühsommer. Wer kauft sowas im Juni? Wir haben ein paar Tage gebraucht und uns dann entschieden, die Kollektion zur Herbst-Kollektion zu machen. Nicht, weil wir das wollten, sondern weil alles andere keinen Sinn mehr machte und wir dadurch aber auch mehr Zeit hatten uns mit dem Pre-Launch zu beschäftigen.
Und dann kam er endlich. Der Moment, der vieles wieder geradegerückt hat. Die ersten fertigen Teile in der Hand. Nicht als Muster mit Zetteln dran und fehlenden Features, sondern fertig. Da war uns nichts zu viel versprochen worden, und plötzlich hatten wir wieder richtig Bock auf alles, was noch kommt. Strapazen, die man Monate hinweg über sich ergehen lassen musste, fanden langsam endlich ein Ende. Balsam für die Seele.