Teil 2: Von Rückschlägen und Frust zur richtigen Produktion

Teil 2: Von Rückschlägen und Frust zur richtigen Produktion

Made for the Stands – die Geschichte hinter Casualline · Teil 2

Wir haben früh gemerkt, dass es zwei Arten von „eigener Marke" gibt. Die eine kauft fertige Rohlinge von der Stange und druckt ein Logo drauf. Die andere entwickelt jedes Teil selbst. Uns war klar, dass nur der zweite Weg zu dem führt, was wir uns vorstellen. Auch wenn er aufwendiger und vor allem teurer ist.

Am Ende von Teil 1 kamen die ersten Muster aus Südasien an. Für unseren damaligen Kenntnisstand sahen sie ganz gut aus. Wir waren zufrieden und gaben die Großbestellung frei und der Schock kam sofort. Logos saßen schief. Schnitte stimmten nicht. Von der Sorgfalt der Muster war plötzlich nichts mehr zu spüren. Die Idee, in Südasien zu produzieren, war für uns damit sofort gestorben. Die nicht verkaufsfähigen Zipper verstauben bis heute in Lagerkisten, ein paar tausend Euro Lehrgeld.

Was man dabei leicht unterschätzt: Da hing ein halbes Jahr Arbeit dran. Recherche, Kommunikation, Muster hin- und herschicken, Vorfreude. Und dann stehst du da mit Kartons voller Ware, die du niemandem verkaufen kannst. Das nagt an einem und man fängt an, sich zu fragen, ob das überhaupt realistisch ist mit der eigenen Marke, oder ob man sich da was vormacht. Kulanz oder gar Erstattungen? Das kann man sich in der Branche relativ schnell abschminken.

Aufgeben stand trotzdem nicht zur Debatte. Aber nochmal von vorne anfangen, nachdem man gerade auf die Nase geflogen ist, das kostet schon Überwindung. 

Also wieder Partnersuche. Wer produziert überhaupt so, wie wir es wollen, und wer ist ehrlich, wenn eine Stückzahl oder ein Anspruch nicht passt? Wir haben Angebote eingeholt, Muster kommen lassen, wieder verworfen. Mancher Hersteller sagte zu und lieferte etwas ganz anderes. Andere passten menschlich nicht oder konnten unsere Anforderungen nicht umsetzen. Fündig wurden wir schließlich bei einem Partner nahe Frankfurt.

Über diesen Partner haben wir dann auch unsere Techpacks erstellen lassen – eine Art Bauplan für jedes einzelne Teil mit Schnitt, Stoffgewicht, Farbe bis zum exakten Pantone-Ton, jeder Naht, jedem Label. Ein paar Wochen nach dem ersten Termin vor Ort kamen die fertigen Techpacks zurück. Ergebnis: ungefähr 70 % unserer Vorstellungen korrekt abgebildet, der Rest leider nicht. Also nochmal in die Nacharbeit, Korrekturen, Details nachjustieren, Runde für Runde, bis alles so drin stand, wie wir es haben wollten. Der schwere, angeraute Griff der Hoodies genauso wie die Position des gewebten Nackenlabels oder der Größenlauf von S bis 6XL.

Dann ging es ans Eingemachte: wieder zum Termin vor Ort, diesmal Stoffe auswählen. Auf dem Tisch lagen viele Alternativen, qualitativ wie preislich. Und genau da haben wir uns entschieden, ins höchste Regal zu greifen – koste es, was es wolle. Das schriftliche Angebot hat uns erst mal getroffen wie ein warmes Bier in der Mittagssonne. Aber wir haben es durchgezogen. Casualline soll nicht 0815 werden, sondern etwas Besonderes. Und das fängt beim Stoff an.

Bei den funktionalen Jacken setzen wir bewusst auf spezialisierte Betriebe, weil genau dort ihre Stärke liegt. Die ganze Geschichte mit Südasien hat uns am Ende sogar geholfen. Wir wissen seitdem sehr genau, was wir wollen und noch genauer, was wir nicht wollen.

Gut für uns und für euch Leser, denn wir hoffen, ihr werdet den Unterschied spüren, wenn ihr die ersten Teile in der Hand haltet.

Im nächsten Teil geht's um weitere Rückschläge, Terminverschiebungen und erste Lichtblicke.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.